Seite 1 von 2

Urlaub, abseits ausgetretener touristischer Pfade, Neuland entdecken. Meine Frau Anne, unser Paul (6) und meine begeisterungsfähigen Eltern, schmiedeten an grauen Winterabenden den Plan, den nächsten Urlaub in Südwales zu verbringen.
„Kann man da im Meer baden?“, fragte Paul, der Mallorca- und Ostseekenner. „Klar, kann man dort im Meer baden“; sagte Opa im Brustton der Überzeugung und hatte – zack! den Jungen auf unserer Seite. Im Süden von Wales haben wir dann tatsächlich auch wie die Wilden im Wasser geplanscht und faul an den schönsten Stränden gelegen (Opas lügen schließlich nicht), aber ich will den Ereignissen nicht vorgreifen.
Cardiff heißt unser Ausgangspunkt. Die walisische Hauptstadt und Metropole ist uns einen zweiten Blickwert. Wir begeben uns auf Stadtrundfahrt und erfahren: Cardiff war einst weltgrößter Kohlehafen und die alten Docks haben sich in ein Einkaufsquartier verwandelt. Das
National Museum & Gallery mit seiner einzigartigen Kunstsammlung zieht uns magisch an.

Den Abend lassen wir in einem typischen
Pub ausklingen; karge Einrichtung, aber viel Atmosphäre. Bei einem, nein drei Pint Brains SA, das ist hier die lokale
Biersorte, legen wir die Route für die kommenden zwei Wochen fest.
Südwales, vom restlichen Wales durch den Bristolkanal getrennt, ist altes Bergbauland. Spuren und Zeichen sieht man überall.
Ganz besonders in den „Valleys“, den Tälern von Südwales, die zum durchwandern einladen. Während sich Peters Oma unterwegs gar nicht satt sehen kann an den liebevoll und stilvoll bis ins Detail gestalteten Bauerngärten, genießen Anna und ich die behagliche Ruhe und sanfte Melancholie dieser einzigartigen Landschaft. Anna fühlt sich an die Beschreibungen in
Bruce Chatwins großartigem Wales-Roman „Auf dem schwarzen Berg“ erinnert.
Einmal mit der zischenden Pontypool and
Blaenavon Steam Railway fahren! Wir Wandersleute spannen aus und steigen ein in die
Dampfeisenbahn mit der steilsten Standardspur im ganzen Königreich. Besonders Paul ist begeistert – er sitzt in einer riesigen „Spielzeugbahn“.
Noch nicht genug der Superlative: dieser Bahnhof liegt rund 400 Meter hoch – und das ist, Schottland einfach mal ausgenommen, Inselrekord. Opa entdeckt für sich den „Whistler Inn“ neben dem Bahnhof, das Domizil einer einzigartigen Sammlung von Bergwerkslampen.
Das Wahrzeichen von Caerphilly ist
Caerphilly Castle, wehrhaft, massig, wirklich mächtig. 1268 war hier Grundsteinlegung. Die mittelalterliche Trutzburg wurde stilecht restauriert, Und der schiefe Turm der Burg ist, versichern die Einheimischen hoch und heilig, noch schiefer als der in Pisa. Auf Caerphilly Castle spukt der Geist der Green Lady, heißt es auch. Uns ist die Dame leider nicht erschienen, dem Sohnemann war das aber auch ganz recht, er hat für Gespenster nämlich gar nichts übrig.

Das zweite Wahrzeichen von Caerphilly ist der Käse. Caerphilly cheese ist eine Delikatesse. Probieren sollte man auch Red Devil, Llanbldy cheese und den Black Bomber, ein ganz besonders aromatischer
Chedder.
Wales ist das Land der Geschichtenerzähler. In Llandarff bei Cardiff wurde einer ihrer größten geboren,
Roald Dahl. Mit Menschen in Kontakt zu kommen, ist auch keine Kunst. Die Zeit zum Plaudern ist hier noch heilig. In Südwales gehen die Uhren erfreulich anders.