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In Schottland gibt es auffallend viele derartige Restaurants – wohl ein Überbleibsel der Kolonialzeit! Ein gutes Überbleibsel, wie wir nach dem Essen feststellten. Das Essen war köstlich, sehr frisch und schön scharf. Genau richtig, um am nächsten Morgen gestärkt Aberdeen zu genießen – mit dem festen Vorsatz, schottisches Essen zu kosten! Nach einem entspannten Tag, den wir mit einem Spaziergang entlang der Küste und mit Picknick im Seaton Park genossen, gönnten wir uns unsere erste schottische Mahlzeit.

Ich muss sagen, ich war hellauf begeistert, als ich die Karte mit all den Kartoffel – und Suppenvariationen las. Warum nur hat die Schottische Küche einen derart schlechten Ruf? Nachdem ich meine Potatoe Scones, eine Art Pfannkuchen aus Kartoffeln, freudig verschlungen hatte, entdeckte ich die köstlichen Nachspeisen für mich.
Ein Schokokuchen mit flüssiger Karamellfüllung fand noch Platz in meinem gut gefüllten Bäuchlein und machte mich vollends glücklich! Das Wetter war wunderbar, blauer Himmel, die Luft roch nach dem frischen Meer, die Angst vor dem Essen war vollkommen unbegründet – so gestärkt verließen wir Aberdeen Richtung Inverness.
Zum ersten Mal auf unserer Reise wendeten wir uns vom Meer ab und nahmen die kleinen Landstraßen, welche quer durch Schottland führten. Auf unserem Weg fanden wir es – das Schottland aus dem Kinderbuch. Berge, grüne Wiesen und Wasser. Der „Lochindrob“ ist ein typisch schottischer See. Er fesselte uns so sehr, dass wir unsere Motoren ruhen ließen und auf den KTMs sitzend die wunderbare Atmosphäre einsaugten. Es war totenstill, nur die Bewegungen des Wassers waren zu vernehmen.
Eine Insel, inmitten des Sees erregte unsere Aufmerksamkeit und wir näherten uns mit geringer Geschwindigkeit, um die Ruhe nicht zu stören. Der Zufall wollte es, dass wir nicht die Einzigen waren, die die Insel vom Ufer aus entdeckt hatten und sie bewunderten.
Nachdem wir wenige Meter gefahren waren, standen zwei Motorräder (Suzuki SV und Yamaha FZ6), mit Schweizer Nummernschildern, friedlich am Ufer. Ihre Fahrer waren nicht weit – wir nahmen Kontakt zu den unglaublich netten älteren Herren auf. Sie erklärten uns, dass sich auf der entdeckten Insel die Ruine des
Lochindorb Castles befände.

Die Insel könne nur per Boot besichtigt werden, sie boten uns an, bei ihnen Platz zu nehmen, um gemeinsam die Schönheit zu genießen. Die beiden erzählten uns, dass sie in Portsmouth per Fähre gelandet seien.
Ihr Vorhaben war es, die englische Insel von Süden nach Norden zu durchqueren, ihr Ziel war die nördliche Spitze Schottlands: Thurso. Nach einem wunderbaren Gespräch über die perfekten Bedingungen für Biker, die schottische Gastfreundschaft, sowie das gute Essen (!), trennten sich unsere Wege wieder und wir ritten alleine, jeder unter seinem Helm, weiter.
Inverness, der Partnerstadt unserer Heimatstadt Augsburg mussten wir unbedingt einen Besuch abstatten – wir hatten mit ihr den nördlichsten Punkt unserer Route erreicht und wurden abermals belohnt! Ehrfürchtig besuchten wir „
The Cathedral Church of St. Andrew“. Diese Kirche fällt von außen deshalb auf, da die Spitzen der beiden Haupttürme nicht mehr fertiggestellt worden sind. Anstelle von den üblichen, spitzen Dächern, sind diese Turmspitzen mit einem Flachdach ausgebaut. Das Innere besticht durch wunderschöne Mosaik – Fenster und durch eine wahnsinnige Geräumigkeit! Man fühlt sich plötzlich sehr klein!
Genauso, wie in den riesigen, wunderbar kuscheligen Betten unserer Unterkunft. Wir verbrachten die Nacht im „Bannerman Bed and Breakfast“, welches nur wenige Meter außerhalb des Stadtkerns entfernt liegt. Wir trafen dort vor allem auf junge Paare, was uns natürlich sehr entgegen kam ( wir sind beide 25 ) Die Meisten die wir dort trafen, waren auch Rundreisende, wie wir.
Egal mit wem man sich unterhielt, jeder bestätigte unseren Eindruck von Schottland: wunderschön, herzliche Menschen und leckeres Essen. Hier zeigt es sich wieder einmal mehr, dass man sich selbst ein Bild machen muss. Wenn ich nicht selbst in Schottland gewesen wäre, würde ich immer noch der festen Überzeugung sein, dass man das hiesige Essen nicht essen könne, welch ein Blödsinn!