
Ein Aschekreuz und trocken Brot - der Aschermittwoch eröffnet die Fastenzeit. Frühe Vorläufer des Karnevals kannte man schon vor 5000 Jahren im Zweistromland, bei den Frühkulturen des Mittelmeerraums und den Kelten
- allen war das Frühlingserwachen das auslösende Ereignis für Trubel und Ausgelassenheit. Die Römer huldigten Saturn mit Banketten und Gelagen und zogen geschmückte Karren durch die Straßen (carrus navalis), aber eine Passionszeit wäre ihnen nie in den Sinn gekommen.
Diese Erfindung war dem christlichen Mittelalter mit seiner Lust an Buße und Reue überlassen. Nach dem turbulenten Karneval mit seiner ausgeprägten Diesseitsorientierung naht der eher trockene Aschermittwoch.

Ganz im Jenseits verhaftet steht er auch in England im Zeichen der Läuterung zu Beginn der 40-tägigen Fastenzeit, die an die Zeit erinnern soll, die Jesus in der Wüste verbracht hat und mit der sich gläubige katholische Christen vor Ostern auf die Wiederauferstehung des Herrn einstimmen, seitdem Papst Gregor I. sie im Jahr 600 einführte.
Der Karneval hat sich in England nicht durchgesetzt, nur am Mardi gras oder
Shrove Tuesday, einen Tag zuvor, wird gefeiert was das Zeug hält. Das ist auch der Tag, an dem viele sich überlegen, worauf sie in der Fastenzeit verzichten wollen, um Buße zu tun, z.B. auf den Verzehr von
Schokolade.
Viele Gläubige besuchen am Aschermittwoch die Gottesdienste und fasten streng. Am Palmsonntag werden gesegnete Palmzweige ausgegeben, die man ein Jahr aufbewahrt, um sie im nächsten Jahr zurückzubringen, damit sie in Asche aufgehen.
In der Church of England mahnen die Priester an diesem Tag zu innerer Einkehr und zeichnen den Gläubigen beim Segen ein Aschekreuz auf die Stirn, das sie bis zum Sonnenuntergang tragen müssen. Früher waren die Fastenregeln deutlich rigider, nicht nur Fisch und Fleisch, selbst Milch, Butter und
Käse mussten aus den Vorratsschränken weichen. Heute versagt man sich nur das Fleischerne.
Aschermittwoch ist in England auch der Tag der Erinnerung, dass man als Mensch aus Staub geschaffen ist und auch wieder zu Staub wird, aber Christus' Auferstehung die Verheißung auf ein ewiges Leben (excorporal) symbolisiert.

In Deutschland geht es am Aschermittwoch diesseitiger zu: Man gönnt sich einen Rollmops, die Politiker treffen sich zu traditionellen Aschermittwochs-Streitereien und die meisten haben noch unter Kater-Kopfbrummen aus den vorangegangenen Karnevalstagen zu leiden, vor allem im Rheinland, wo die närrische Zeit als "fünfte Jahreszeit" bezeichnet wird.